11. April 2020

«Die Unverfügbarkeit rückt ins kollektive Bewusstsein»

Wann kehren wir wieder ins normale Leben zurück?
Diese Frage treibt unzählige Menschen zurzeit um. Das Coronavirus bringt Angst und Sorgen. Isolation und Tod. Weckt aber auch Solidarität und Kreativität. Verbundenheit und Widerstandskraft. Die Pandemie hat alle Bereiche menschlichen Lebens erfasst. In einer globalisierten Welt spüren wir die Abhängigkeiten voneinander wie nie zuvor.
Quarantäne kommt von der Zahl vierzig und ist zu biblischen Zeiten schon erwähnt als Dauer einer bewusst gesuchten Abgeschiedenheit. Vierzig Tage lang dauert so auch heute noch die Zeit der Einkehr, die Zeit der Besinnung in der christlichen Fasten- und Passionszeit vor Ostern. So bereiten sich Christinnen und Christen auf ihre höchsten Feste im Kirchenjahr vor, auf Karfreitag und das Fest der Auferstehung Christi. Und vergegenwärtigen sich jedes Jahr aufs Neue: «Normales Leben» gibt es nicht. Und nun fällt die Zeit der verordneten Quarantäne in unserer westlichen Welt gerade auf diese Zeit vor Ostern. Die Unverfügbarkeit rückt ins kollektive Bewusstsein.

Wie können wir heute dieser Herausforderung begegnen?
Der Begriff Ökumene steht in der Antike für die ganze bewohnte Erde. Ökumene im Christentum bedeutet Dialog und Zusammenarbeit zwischen den christlichen Konfessionen. Was also bietet sich anderes an, als dieser Herausforderung in den Kirchen ökumenisch zu begegnen? In Demut gemeinsam Gottes Unverfügbarkeit zu bekennen? Und miteinander im Gebet Freud und Leid zu teilen? So erinnern auch die Evangelisch-reformierte Landeskirche Graubünden und der bündnerische Teil des Bistums Chur gemeinsam an den Ursprung des Christentums. Die Glocken der reformierten und katholischen Kirchen in Graubünden läuten am Ostersonntag um 10.00 Uhr zur Verkündigung der freudigen Osterbotschaft.

Was ist dies für eine Botschaft?
Dieselbe wie vor 2000 Jahren. Das Grab war leer. Jesus Christus lebt. Einige Frauen und Männer haben diese Erfahrung damals in Gemeinschaft gedeutet. Und viele haben diese freudige Botschaft weitergegeben – bis heute.«Christus ist auferstanden. Er ist wahrhaftig auferstanden.» Der Glaube daran bedeutet: Das Leben ist stärker als der Tod. Das Leben zeigt sich gerade in der Verletzlichkeit durchlässig und lebendig. Leben leuchtet auf in der Mitmenschlichkeit. Das Leben ist durchdrungen von Glaube, Hoffnung, Liebe. Unverfügbar. Und deshalb stark. Allumfassend. Damals erreichte diese gute Nachricht die Menschen in ihren drängenden Fragen. Sie ist uns heute Trost im Angesicht unserer Sterblichkeit. Und sie ist die Grundlage unseres Handelns. Dies ist die Erfahrung von Ostern, mit der viele Menschen nach dem Tode Jesu am Kreuz zurück ins Leben gefunden haben.
Lebendiger als zuvor.

In dieser ökumenischen Zuversicht wünschen wir Ihnen und uns allen: Frohe Ostern!

Für die Bistumsregion Graubünden
Msgr. Andreas M. Fuchs, Delegierter des Apostolischen Administrators

Für die Evangelisch-reformierte Landeskirche Graubünden
Pfrn. Cornelia Camichel Bromeis, Dekanin