FREIWILLIGENARBEIT

Ohne Freiwilligenarbeit steht die Gesellschaft still, auch das Leben in den Kirchgemeinden. Beides lebt von Menschen, die mit ihren Talenten, Kenntnissen und Erfahrungen  mitgestalten, was ihnen wichtig ist. Kirchliches Leben ist geprägt von einem Miteinander von freiwillig, ehrenamtlich und angestellt Mitarbeitenden. Eine breite Basis von Freiwilligen ist wichtig für die Nachwuchsförderung.

Gesetzliche Grundlagen:

  • KGS 100 Art. 17, 23, 27 und 57
  • KGS 210 Art. 34
  • KGS 951 Art. 17 und 18
  • KGS 952 Art. 21

Leitfaden Freiwilligenarbeit

Definition und Formen von Freiwilligenarbeit

Freiwilligenarbeit ist ein gemeinnütziger Beitrag an Mitmenschen und Umwelt mit folgenden Kriterien:

  • Das Engagement ist freiwillig und wird unentgeltlich geleistet.
  • Freiwilligenarbeit ergänzt die bezahlte Erwerbsarbeit und soll im Jahresdurchschnitt sechs Stunden pro Woche nicht übersteigen.
  • Freiwillige Verpflichtungen sind selbst gewählt. Freiwillige bestimmen Art und Umfang ihrer Arbeit mit. Getroffene Vereinbarungen können in Absprache verändert werden.

Die Möglichkeiten für Freiwilligenarbeit in Kirchgemeinden oder Kirchenregionen sind vielfältig. Klassische Einsatzgebiete sind beispielsweise:

  • Mitleiten von Kinderangeboten, Lagern, Ausflügen
  • Mitwirkung als Lektor/-in bei der Gestaltung eines Gottesdienstes oder im Team für "Fiira mit da Kliina"
  • Mithilfe beim Kirchenkaffee oder beim Kirchgemeindetag
  • Engagement im Besuchsdienst oder bei der Planung und Durchführung von Seniorenanlässen
  • Mithilfe bei Projekten im Bereich Migration, bei einem Suppenzmittag oder bei regelmässig durchgeführten Aktionen (Weihnachtspäckli etc.)

Weitere Möglichkeiten sind:

  • mit einem Team Angebote entwickeln und leiten: Krabbelgruppen, Elterntreffs, Wanderungen, Velotouren, offenes Singen;
  • in der Erwachsenenbildung Wissen aus dem Beruf oder einem Hobby mit anderen teilen;
  • den Aufbau und die Betreuung der Website oder die Pflege von Social Media-Kanälen übernehmen oder unterstützen;
  • beim Aufbau eines Spiel- und Begegnungsortes auf der Wiese vor dem Pfarrhaus mitwirken;
  • zu bestimmten Zeiten im Kirchenkaffee Gastgebende sein.

Freiwillige und Ehrenamtliche

Freiwillige entscheiden selbst, wo und wie sie sich engagieren. Ehrenamtliche dagegen sind für eine bestimmte Aufgabe und Amtszeit gewählt. Sie tragen eine durch die kirchliche Gesetzgebung definierte Verantwortung. Anders als das freiwillige Engagement, wird das ehrenamtliche Engagement entschädigt (etwa durch eine pauschale Entschädigung oder durch Sitzungsgelder).

Freiwilligenkoordination

Freiwilligenkoordination ist mehr als eine rein organisatorische Aufgabe. Deshalb wird in der Regel eine ausgebildete Fachperson damit beauftragt. In Bündner Kirchgemeinden dürfte dies meistens die Pfarrerin oder der Pfarrer sein. In Kirchgemeinden mit mehr Personal oder in einer Kirchenregion kann dieser Auftrag auch an Sozialdiakone, Sozialdiakoninnen oder andere geeignete Fachpersonen übertragen werden.

Zur Freiwilligenkoordination gehören:

  • Rekrutierung: suchen und finden der für eine Aufgabe passenden Freiwilligen
  • Einführung: Kennenlernen von Personen und Auftrag, Rechten und Pflichten; organisatorische Fragen klären (z. B. Abgabe von Schlüsseln, Entschädigung von effektiven Spesen etc.)
  • Begleitung und interne Schulung, allenfalls auch mit externen Referenten
  • Standortgespräch, mindestens einmal jährlich
  • Organisation von Austauschtreffen
  • Unterstützung bei Konflikten
  • Förderung der Freiwilligen, zum Beispiel durch die Motivation zum Besuch von entsprechenden Weiterbildungen
  • Anerkennung der geleisteten Arbeit, zum Beispiel mit einem Dankeschönanlass oder einer Karte zum Geburtstag
  • Finanzen: Verantwortung für Budget für Freiwilligenarbeit
  • Öffentlichkeitsarbeit: Berichterstattung über Freiwilligenarbeit intern und extern

Für die Koordination von Freiwilligenarbeit ist genügend Arbeitszeit einzuplanen.

Weiterbildung von Freiwilligen

Die Förderung der Weiterbildung von Freiwilligen gehört nach der kirchlichen Gesetzgebung zu den Aufgaben des Kirchgemeindevorstandes (KGS 100 Art. 17 Abs. 2). Nicht für jede Freiwilligenarbeit ist eine umfassende Schulung notwendig – manchmal reichen eine gute Einführung und der Austausch mit anderen Freiwilligen. Freiwillige, die sich weiterbilden wollen, sollen darin gefördert werden. Wenn möglich sollte die Finanzierung solcher Weiterbildungen von der Kirchgemeinde übernommen werden.

Für manche Aufgaben kann eine entsprechende Schulung Bedingung für einen Einsatz sein – zum Beispiel eine Leiterschulung für jugendliche Lagerleiter/-innen oder für Freiwillige im Besuchsdienst, die Menschen in herausfordernden Situationen begleiten.

Die Mitarbeitenden der Fachstelle Gemeindeentwicklung unterstützen die Kirchgemeinden bei der Suche nach geeigneten Weiterbildungen oder bieten diese bei genügend Teilnehmenden allenfalls vor Ort oder in der Region an.

Freiwillige finden

Der Leitfaden für Freiwilligenarbeit in Kirchgemeinden liefert Anregungen für eine erfolgreiche Suche nach Freiwilligen.

Hilfreich bei der Suche nach Freiwilligen ist, wenn:

  • die Erwartungen für den Freiwilligeneinsatz klar beschrieben sind;
  • die Aufgabe attraktiv ist und Gestaltungsspielraum besteht;
  • Menschen gezielt für eine konkrete Aufgabe angesprochen werden.

Leitfaden Freiwilligenarbeit

Unterstützung durch die Fachstelle Gemeindeentwicklung

Die Fachstelle Gemeindeentwicklung bietet für Freiwilligenarbeit folgende Unterstützung an:

  • Beratung und Begleitung beim Auf- und Ausbau von Freiwilligenarbeit – bei Bedarf auch vor Ort
  • Weiterbildungen für Freiwillige und für Freiwilligenkoordinatorinnen und –koordinatoren – zum Teil in Zusammenarbeit mit anderen Organisationen wie jugend.gr, benevol Graubünden etc.
  • Materialien für Freiwilligenarbeit
  • Beratung und Begleitung bei Konflikten im Bereich Freiwilligenarbeit

GEMEINDEDIAKONIE

Für Menschen vor Ort. Während Diakonie allgemein den Dienst am Nächsten im kirchlichen Zusammenhang umfasst, meint Gemeindediakonie diakonisches Handeln in der Kirchgemeinde vor Ort. Bis weit ins letzte Jahrhundert geschah schulische Bildung, medizinische Versorgung und Unterstützung von armutsbetroffenen Menschen weitgehend in der Verantwortung der Kirchgemeinden. Mit dem Ausbau des Schulsystems, des Gesundheitswesens und des Sozialstaates wurden diese Aufgaben Schritt für Schritt von der öffentlichen Hand übernommen und über Steuern finanziert. Das hat die Gemeindediakonie nachhaltig verändert und vielerorts auch reduziert.

Gesetzliche Grundlagen:
Verfassung (KGS 100 Art. 2, 6 und 19)

Kernaufgabe der Kirche

Diakonie ist eine Kernaufgabe der Kirche. Dies wurde auch in der neuen Verfassung der Bündner Landeskirche festgehalten (KGS 100 Art. 6). Das diakonische Engagement in der Kirchgemeinde oder in der Region wird von den Gegebenheiten vor Ort geprägt. Bereiche der Gemeindediakonie sind zum Beispiel:

  • Angebote, die den sozialen Zusammenhalt fördern: Kinder- und Jugendarbeit, Generationenprojekte, Seniorenarbeit, Begegnungsmöglichkeiten zwischen Einheimischen und Zugezogenen, Besuchsdienste für Besuche zu Hause und in Alters- und Pflegeheimen, Projekte mit Menschen, die von Arbeitslosigkeit oder psychischen Erkrankungen betroffen sind.
  • Begleitung und Beratung von Menschen in herausfordernden Situationen und in Glaubens- und Lebenskrisen.
  • Bedürfnisorientierte Angebote: Mittagstische für Kinder und Senior/-innen, Aufgabenhilfe, Kaffeetreffen für Asylsuchende.

Biblisch ausgedrückt, ist Gemeindediakonie vor Ort für alle da, die „mühselig und beladen sind“. (Mt. 11, 28)

Nahe bei den Menschen

Gemeindediakonie lebt vom Beziehungsnetz angestellt und freiwillig Mitarbeitender der Kirchgemeinde, die nahe bei den Menschen vor Ort sind und wahrnehmen können, was notwendig ist.

Bei der Begleitung von Einzelpersonen kann und muss die Kirchgemeinde meist nicht selbst ein Unterstützungsangebot aufbauen. Oft reicht es, wenn die dafür zuständigen Pfarrpersonen oder anderen Mitarbeitenden ein offenes Ohr für den Mitmenschen haben, im Gespräch die Bedürfnisse abklären und dann gezielt den Kontakt zu den passenden Fachpersonen oder Organisationen herstellen können.

Für eine wirksame Gemeindediakonie braucht es nebst dem Beziehungsnetz vor Ort auch eine starke Vernetzung mit Fachorganisationen und Fachstellen in der Region und gute Kenntnisse über deren Unterstützungsangebot.

Unterstützung der landeskirchlichen Fachstellen

Die landeskirchlichen Fachstellen beraten und begleiten, bieten Schulungen an und können auf ein nützliches Netzwerk zurückgreifen.

Fachstelle Gemeindeentwicklung
Fachstelle Migration
Fachstelle Religionspädagogik in der Schule

DIAKONATSKAPITEL

Das Diakonatskapitel Graubünden ist die Versammlung der in der Bündner Landeskirche angestellten Sozialdiakoninnen und Sozialdiakone.

Hauptaufgaben des Diakonatskapitels sind der fachliche Austausch unter den Mitgliedern und deren Weiterbildung, die Pflege der Gemeinschaft, die Bearbeitung von Fragestellungen in den Tätigkeitsfeldern und die Vertretung von berufsspezifischen Anliegen.

Rechtliche Grundlagen:

  • KGS 100 Art. 53
  • KGS 261 und 262

Zusammensetzung

Das Diakonatskapitel setzt sich aus den in der Landeskirche tätigen Sozialdiakoninnen und -diakonen zusammen. Drei Mitglieder bilden den Vorstand mit Präsidium, Aktuariat und Kassieramt.

Kontakt zum Präsidium:
diakonatskapitel@gr-ref.ch, 081 257 11 00

Weitere Aufgaben

Das Diakonatskapitel Graubünden

  • pflegt den Erfahrungsaustausch;
  • fördert den Zusammenhalt unter den Mitgliedern und pflegt die Gemeinschaft;
  • vertritt die Anliegen der Sozialdiakoninnen und Sozialdiakone innerhalb der Evangelisch-reformierten Landeskirche Graubünden;
  • bearbeitet soziale und diakonische Fragestellungen und Entwicklungen in Kirche und Gesellschaft;
  • setzt sich für berufsspezifische Weiterbildung ein;
  • bietet  Fachinputs  an,  die  der  beruflichen  Weiterbildung  und  Vernetzung  mit  Fachpersonen  und  Organisationen  ausserhalb  des  Diakonatskapitels dienen;
  • nimmt an Vernehmlassungen der Landeskirche und von schweizerischen Gremien teil, welche die Sozialdiakonie betreffen.

Sitzungen

Im Frühling und im Herbst. Die Mitglieder des Diakonatskapitels versammeln sich jeweils im Frühling für einen Tag und im Herbst für zwei Tage. Einzelne Teile dieser Tagungen sind auch für weitere Personen offen – zum Beispiel Referate.

DIAKONIE SCHWEIZ

Diakonie Schweiz ist die Dachorganisation der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz (EKS) für Diakonie. In der Plenarversammlung treffen sich die für Diakonie zuständigen Kirchen- bzw. Synodalratsmitglieder der Landeskirchen. In Arbeits- und Fachgruppen arbeiten zahlreiche diakonische Fachpersonen aus unterschiedlichen Bereichen an aktuellen Fragen. Der Ausschuss, je zur Hälfte zusammengesetzt aus Mitgliedern der Plenarversammlung und den Präsidien der Arbeitsgruppen, führt die Geschäfte von Diakonie Schweiz. Die Geschäftsstelle unterstützt die Gremien in ihrer Arbeit und betreibt die Website.

Bündner Vertretung. Die Evangelisch-reformierte Landeskirche Graubünden ist in der Plenarversammlung durch das für Diakonie zuständige Mitglied des Kirchenrates vertreten. Zudem arbeiten Mitarbeitende der landeskirchlichen Fachstellen in Arbeits- oder Fachgruppen von Diakonie Schweiz mit.

diakonie.ch

Aufgaben von Diakonie Schweiz

Diakonie Schweiz:

  • behandelt strategische Fragen zur innerkirchlichen und zivilgesellschaftlichen Positionierung des diakonischen Handelns der Kirchen;
  • nimmt Stellung zu aktuellen sozial- und gesellschaftspolitischen Fragen;
  • schafft in regelmässigen Abständen Orte des Erfahrungsaustausches über diakonische Anliegen und Projekte in Gemeinden, Kirchen und Werken;
  • unterhält eine zentrale Informationsplattform zu Aktualitäten und Grundlagen diakonischen Handelns;
  • pflegt den Dialog mit der diakoniewissenschaftlichen Forschung;
  • fördert die sozialdiakonischen Dienste in den Kantonalkirchen und sorgt für die Einhaltung der Mindestanforderungen für die sozialdiakonischen Dienste, für die Zulassung zum sozialdiakonischen Dienst und für die Weiterführung der Liste der anerkannten Ausbildungen in der Deutschschweiz;
  • koordiniert und fördert in Zusammenarbeit mit Partnerorganisationen Weiterbildungsangebote im Bereich der Diakonie;
  • stellt die Kontakte zu europäischen Diakonienetzwerken sicher.

diakonie.ch

 

Weltweite Kirche

MIGRATION

Migrationspolitik gehört zu den zentralen gesellschaftlichen Herausforderungen. Die Landeskirche orientiert sich an den internationalen völkerrechtlichen Vereinbarungen, an den Erklärungen der Menschenrechte sowie der UNO-Konvention der Kinderrechte. Das Engagement der Fachstelle Migration ist vielfältig. Sie fördert den Austausch zwischen den Religionsgemeinschaften, vermittelt Freiwilligeneinsätze und unterstützt die Gemeinden mit Informations- und Bildungsanlässen. Sie ist Auskunftsstelle für Privatpersonen und Kirchgemeinden.

Migration, Integration, Flüchtlinge

Die Schweiz ist ein Einwanderungsland. Die Fachstelle Migration engagiert sich für den Schutz von Menschen, die auf der Flucht sind vor Krieg, Hunger und Gewalt. Sie pflegt den Kontakt zu den Menschen in den Asylzentren. Sie unterstützt die Kirchgemeinden bei der Alltagshilfe vor Ort, wenn sie zwischen Ankommenden und der lokalen Bevölkerung vermitteln, Räume zur Verfügung stellen oder Begegnungsorte schaffen. Die Partnerschaft mit dem Hilfswerk der Evangelischen Kirchen Schweiz (HEKS) ermöglicht die Unterstützung von Projekten in der Schweiz und in den Herkunftsländern der Flüchtlinge.

Konkret hilft die Fachstelle Migration

  • bei Gesprächen in den Asylzentren;
  • mit Informationen und Materialien für Kirchgemeinden;
  • mit Beratung bei migrationspolitischen Fragen;
  • mit Aktionen am Flüchtlingstag und zur Woche der Religionen;
  • bei der Realisierung von Projekten zur Integrationsförderung.