28. Juni 2020

Nachwuchs für die Synode

Bei sommerlichen Temperaturen und viel Sonnenschein fand am Sonntag in Chur der Synodalgottesdienst als Höhepunkt und Ende der Synode statt. Fünf Pfarrpersonen wurden neu in die Synode aufgenommen – aufgrund von Corona im kleinen Kreis, doch nicht minder feierlich. Nein, Pfarrpersonen in Graubünden erlebten nicht immer Sonntagszeit, auch nicht immer Frieden, wandte sich Dekanin Cornelia Camichel Bromeis an die neuen Kolleginnen und Kollegen und wünschte ihnen Zivilcourage, Freude an und Mut für ihre Arbeit. Zum Aufnahmeritus gehört das Synodalversprechen und dessen Bestätigung mit Handschlag (oder zu Coronazeiten mit Hand aufs Herz), sowie der feierliche Eintrag der Namen in die Synodalmatrikel, in der die Namen der reformierten Pfarrpersonen seit der Reformationszeit eingetragen sind.

Gut gerüstet und verletzlich. „Viele Menschen seien heute als Verletzte unterwegs“, sagte Vizedekan Kaspar Kunz in seinem Predigtimpuls. Das verordnete Abstandhalten habe jene Personen besonders hart getroffen, die ohnehin schon allein sind. Ausgehend von der biblischen Erzählung vom Barmherzigen Samariter hob er die Bedeutung von Pflege und Fürsorge hervor. Ja, es komme vor, dass Menschen die Not um sie herum sehen und doch nicht helfen, führte Vizedekan Thomas Müller den Gedanken weiter. Die Gründe dazu seien vielfältig. Nähe wolle zugelassen sein, sie erfordere Offenheit, Spontaneität und den Mut, sich auch mal von vorgesehenen Wegen abbringen zu lassen.

„Nicht systemrelevant“. Im Gegensatz zu Spitälern und anderen sozialen Einrichtungen hätten die Kirchen in der Corona-Zeit nicht als „systemrelevant“ gegolten, sagte Cornelia Camichel Bromeis im dritten Teil der Predigt. Dies, obwohl sich viele freiwillig wie angestellt in den Kirchgemeinden Tätigen gerne in der Rolle des helfenden Samaritaners sehen. „Statt helfen zu können, waren viele mit der eigenen Verletzlichkeit konfrontiert“, meinte die Dekanin. Doch sie wolle diese Erfahrung nicht missen, mache sie doch empfänglich für das Wesentliche: neue Freude und Lebendigkeit. Und sie öffne die Augen für Situationen, wo Menschen auf Hilfe angewiesen, unterdrückt und beeinträchtigt sind. „Ja, wir alle haben unsere Verletzungen“, sagte Camichel, die Chance bestehe darin, dass dadurch die Wahrnehmung weiter werde.

Hier gehts zum Livestream:
https://gr-ref.ch/livesynode/

 

Bild: Die neuen Synodalen (v.l.n.r.): Niklaus Friedrich (Scuol/Tarasp), Susanne Ortmann (Mesolcina/Calanca), Lia Rahel Anderfuhren (Seewis), Andreas Anderfuhren (Seewis) und Claudia Judith Gabriel-Schneider (Vaz/Obervaz). Zwischen den Vizedekanen Kaspar Kunz und Thomas Müller und Dekanin Cornelia Camichel Bromeis.

Stefan Hügli
Kommunikation