Mit Rucksack und Rollkoffer tritt Anita Dirnberger ins Bahnhofbuffet am Hauptbahnhof Zürich. Sie kommt von Basel, wo sie studiert und ist auf dem Weg ins Tessin, wo ihr Freund wohnt. „Zu Hause in Andeer bin ich leider nur noch selten“, sagt sie und bestellt einen Latte Macchiato. Sie streicht sich die dunklen Locken aus der Stirn und schwärmt von ihrem Studium. „Es ist so unglaublich vielseitig und spannend.“

Dass nicht mehr Menschen Theologie studieren, erstaunt die Vielinteressierte, die in den Semesterferien als Journalistin bei einer Tageszeitung arbeitet. Als sie mit 14 verkündete, dass sie einmal Theologie studieren würde, habe das die Eltern im ersten Moment schon überrascht, sagt Anita und lacht. „Aber das waren sie wohl auch als meine Schwester sagte, sie wolle einen technischen Beruf erlernen.“

Dabei trugen die Eltern nicht wenig zu Anitas Berufswahl bei. Denn die Kirche war immer ein Teil im Familienalltag der Dirnbergers. Die Eltern engagierten sich in der Baukommission und an Veranstaltungen. Einmal im Monat besuchte die Familie gemeinsam einen Gottesdienst. Später leitete Anita die „Kinderfiir“. Auch den Konfirmandenunterricht mochte sie. „Wir waren viel unterwegs und haben viel erlebt.“ Zum Beispiel eine Reise nach Taizé, wo sie neue Kirchenmusik kennenlernte. Noch heute pflegt sie diese beim Orgelspielen.  „Nach acht Jahren Klavierunterricht fand ich auf der Orgel in der Kirche eine neue Herausforderung.“ „Musik“, so Anita Dirnberger, „ist für mich immer auch Gebet.“

Ob sie dereinst als Pfarrerin tätig sein will, weiss sie nicht. Sie könnte sich ebenso gut eine Arbeit im Bereich Kommunikation bei der Landeskirche vorstellen. Und so ihren Beitrag leisten, „damit die reformierte Kirche eine Volkskirche bleibt, die möglichst vielen Menschen Heimat ist.“

Rita Gianelli
Januar 2018