2.6.2021

EGR: Rechnung, Amtsbericht und Zulassungsgesetz

Das Ergebnis war einstimmig und Fragen gab es kaum. Zu gut waren die Zahlen, die der Kirchenrat dem Evangelischen Grossen Rat präsentierte. „Trotz Corona oder wegen Corona“, so Finanzchef Eugen Caduff, sei das Ergebnis ausserordentlich gut. Bei Einnahmen von CHF 12‘647‘540.- und Ausgaben von 12‘635‘250.- weist die Rechnung 2020 der Kantonalen Evangelischen Kirchenkasse einen Überschuss von CHF 12‘289.- aus. Zum guten Jahresergebnis beigetragen haben solide Steuereinnahmen und gute Vermögenserträge. Wegen Corona musste auf viele Veranstaltungen verzichtet werden, zudem floss weniger Geld in die Renovation kirchlicher Bauten und in den Finanzausgleich. Aufgrund des guten Ergebnisses wurden Rückstellungen von CHF 1‘860‘000 getätigt. „Kommt nun die Trendwende, wie seit langem befürchtet?“, fragte Kirchenrat Eugen Caduff. Auch GPK-Präsident Robert Heinz sprach von einem „sehr guten Ergebnis“ und mahnte gleichzeitig zu Zurückhaltung. Wie schon die Rechnung genehmigte der Rat auch den Amtsbericht des Kirchenrats einstimmig.

Zulassung zum Pfarramt. Das Kirchenparlament beriet ein „Gesetz über die Zulassung zum pfarramtlichen Dienst“. Es ist dies nach dem Regionengesetz und dem Personalgesetz ein weiterer Meilenstein bei der Umsetzung der neuen Kirchenverfassung. Mit dem Zulassungsgesetz wird geregelt, wer in der Bündner Kirche zu einem Pfarramt zugelassen wird und auf welchem Weg dies zu geschehen hat. In Zeiten des Fachkräftemangels sei es wichtig, nicht aus Not zu handeln – so Dekanin Cornelia Camichel Bromeis. Und Pfarrer Christoph Reutlinger, Präsident der Vorberatungskommission, führte aus, dass im Unterschied zu anderen Kantonen in Graubünden eine regelmässige Wiederwahl entfalle. Pfarrpersonen müssten hier jedoch eine Provisionszeit bestehen, bevor sie als ordentliches Mitglied der Synode gewählt werden können. "Begleitung ist wichtig", meinte die Dekanin, „für ein gutes Einleben oder ein Auseinandergehen in Würde“. So oder so: Das neue Zulassungsgesetz legt die Abläufe transparent fest und minimiert rechtliche Unsicherheiten. Der Rat folgte der Vorlage des Kirchenrats mit 68 Ja-Stimmen bei 5 Enthaltungen. Nächster Meilenstein wird die Geschäftsordnung des Evangelischen Grossen Rates sein.

Dank an Dekanin. Zum letzten Mal an einer Sitzung des Evangelischen Grossen Rats dabei, war Dekanin Cornelia Camichel Bromeis. Ratspräsident Franz Rüegg dankte ihr für das langjährige grosse Engagement zugunsten der Landeskirche und würdigte auch die zeitweise Doppelbelastung als Dekanin und Vizepräsidentin des Kirchenrats. Rüegg sprach von einem „weiten Horizont und Offenheit für Neuerungen“ und erinnerte an ihren Einsatz für Frauen- und Genderanliegen sowie ihre Stellungnahmen in theologischen Fragen. Dekanin Cornelia Camichel Bromeis ihrerseits bedankte sich für jahrelanges Vertrauen. „Ein starker Kirchenrat braucht ein starkes Kirchenparlament, und eine starke Landeskirche braucht starke Kirchgemeinden“. Per 1. August wird Cornelia Camichel Bromeis wieder als Pfarrerin arbeiten - diesmal im Rahmen einer Citykirche in Zürich. Wer neuer Dekan oder neue Dekanin wird, wird die Synode Ende Juni in Splügen entscheiden.

Erwägungen zum Finanzausgleich. Einen Blick in die Zukunft der Bündner Kirche gewährte Finanzchef Eugen Caduff mit Erwägungen zur Neuregelung des  Finanzausgleichs. Während heute 53 von 78 Kirchgemeinden auf Defizitdeckung durch Gelder der Kantonalen Evangelischen Kirchenkasse angewiesen sind, müsste nach Meinung des Kirchenrats ein neuer Finanzausgleich den Gemeinden mehr Gestaltungsspielraum, aber auch mehr Eigenverantwortung geben. Ziel sei es, den Gemeinden ein vielfältiges Angebot zu ermöglichen und, mit Blick auf schwindende Kirchenfinanzen, Finanzströme besser steuerbar zu machen. Zudem sollen falsche Anreize beseitigt werden. Als nächstes wird eine Arbeitsgruppe des Kirchenrats entsprechende Varianten prüfen. Mit dem guten Jahresabschluss seien die Finanzen für den Übergang zu einem neuen System vorhanden, so Caduff. Als nächstes wird eine Arbeitsgruppe des Kirchenrats mögliche Varianten prüfen.

Stefan Hügli
Kommunikation