14.3.2018

Soll Kirche vermehrt in Sozialarbeit investieren?

Wenn ja: wie? Diese Frage diskutierte das Diakonatskapitel am Montag. Vier Impulsreferate, moderiert von Adrian Camartin, RTR, sorgten für Gesprächsstoff.

Kirche müsse sich neu erfinden, sagte Sozialdiakon Johannes Kuoni vor rund 30 Anwesenden im Kirchgemeindehaus Comander in Chur. Die Diakonie werde dabei eine Schlüsselrolle spielen. Doch wo liegt das Potential? Wird Kirche als Anlaufstelle in herausfordernden Lebenssituationen wahrgenommen und wie müsste kirchliche Sozialarbeit aussehen, damit sie die staatlichen Angebote sinnvoll ergänzt?

„Kirche soll soziale Netze knüpfen“, sagte Gion Andri Bundi, Leiter des Regionalen Sozialdienstes Landquart in einem ersten Impulsreferat. Wie keine andere Organisation sei Kirche lokal verankert ­- in den Dörfern und in der Bevölkerung. Wo dieses Potential eingebracht werde, können spannende Projekte entstehen, sagt Bundi.  Als Beispiel nennt er das Projekt „KONTAKT.PUNKT“, das Flüchtlinge und lokale Bevölkerung in Landquart an einen Tisch bringt. Sozialdienst, Kirchgemeinden und Organisationen aus dem Migrationsbereich arbeiten dabei zusammen.

Edy Wäfler, Geschäftsführer des Vereins „Brocki Grischun“, forderte in seinem Impulsreferat von den anwesenden Sozialdiakoninnen und Soziadiakonen, aktiver auf Menschen zuzugehen. Am Beispiel der „Brocki Grischun“ zeigte er auf, wie alles damit beginnt, dass Beziehungen aufgebaut werden. „Nur wer das Gespräch sucht, findet heraus, wo der Schuh drückt“, sagte Wäfler. Erst dann könne nach Lösungen gesucht werden – mit den Menschen, nicht bloss für sie. Auch Pfarrer Urs Zangger aus Silvaplana bezeichnete die Zusammenarbeit als das A und O. „Es reicht nicht, nur Glocken zu läuten“, sagte er provokativ und gab zu bedenken, dass nicht nur die Kirchen, sondern die ganze Gesellschaft im Umbruch sei. Besonderes Potential sieht Zangger in Pfarrpersonen und weiteren kirchlichen Mitarbeitenden, die längere Zeit an einem Ort sind. Ihr umfangreiches Beziehungsnetz gebe ihnen die Möglichkeit, unbürokratisch und niederschwellig  zu agieren – in Zusammenarbeit mit Ämtern, Professionellen und Freiwilligen.

Dass das Engagement für Menschen zum Grundauftrag von Kirche gehört, war unter den Anwesenden unbestritten. Kirche müsse aufgrund des Spardrucks im Sozialwesen immer wieder in die Bresche springen, meinte Sozialdiakon Martin Jäger, Leiter des Gemeinde- und Sozialdienstes der Evangelischen Kirchgemeinde Chur. Das Potential kirchlicher Sozialarbeit liege nicht primär im Monetären, doppelte Edy Wäfler nach. Es liege darin, Menschen einzubinden, ihnen eine sinnvolle Aufgabe zu geben, sie damit herauszufordern und so Verantwortung zu übergeben.

Stefan Hügli

 

Bild: „Vernetzen und zusammenarbeiten“ – Pfarrer Urs Zangger, Silvaplana.