4. Oktober 2019

Wandel des Berufsbildes, Mindestanforderungen, Nachwuchsförderung – die Bündner Sozialdiakoninnen und Sozialdiakone haben sich in Davos zum Diakonatskapitel getroffen.

„Die Geschichte der Sozialdiakonie begann mit dem Pfarrmangel“, sagte Simon Hofstetter von Diakonie Schweiz in seinem Referat vor den Bündner Sozialdiakoninnen und Sozialdiakonen. Hostettler präsentierte die Erhebung «Diakonie und Diakonat in den Kantonalkirchen» und erinnerte daran, dass die Geschichte der Sozialdiakonie bis in die 1930er-Jahre zurückreicht. Gemeinde- oder Pfarrhelferinnen hatten damals in den Kirchgemeinden den Pfarrer zu entlasten. „Pfarrer männlich, Pfarrhelferin weiblich“ – das sei lange die übliche Konstellation in vielen reformierten Kirchgemeinden gewesen, sagte Hostettler. In der Nachkriegszeit stieg der Bedarf an und zunehmend drängten auch Männer in diesen Beruf.

Stark verändertes Berufsbild. Gemeinde- oder Pfarrhelferinnen gibt es heute keine mehr. Dafür gibt es in den Kirchgemeinden neben Kirchenmusikern, Mesmerinnen, Pfarrpersonen, Fachlehrpersonen Religion auch Sozialdiakoninnen und Sozialdiakone mit einem eigenen Tätigkeitsbereich. 680 Personen sind so angestellt, drei Prozent mehr als noch vor sechs Jahren. Vergleichsweise wenige gibt es im Kanton Graubünden. Grund dafür ist, dass solche Stellen vor allem von grösseren Gemeinden angeboten werden – und davon gibt es im Kanton der 150 Täler nicht viele.

Für rege Diskussion sorgte in Davos die Entwicklung von Mindestanforderungen, die Nachwuchsförderung oder das Amtsverständnis. Zwar ist für Sozialdiakoninnen und Sozialdiakone schweizweit die sogenannt „doppelte Qualifikation“ (sozialfachlich und kirchlich-theologisch) die Regel, aber die Rahmenbedingungen sind laut Simon Hostettler sehr unterschiedlich. In Bern-Jura-Solothurn beispielsweise sind sie oft in der Sozialarbeit tätig. In Graubünden dagegen sind sie Teil des Pfarramts und darum arbeiten sie nicht nur in der Diakonie und Jugendarbeit, sondern auch in der kirchlichen Bildung und in der Verkündigung.

Am zweiten Tag des Herbstdiakonatskapitels stand die kollegiale Praxisberatung und Geschäftliches im Vordergrund. Daniela Troxler wurde mit Dank und Applaus aus dem Vorstand des Diakonatskapitels verabschiedet. Neu in den Vorstand gewählt wurde Walter Bstieler, dem erst am Vortag die Titelurkunde „Sozialdiakon Diakonie Schweiz“ überreicht worden ist.

Johannes Kuoni / Stefan Hügli

Bild: Austausch mit dem Kirchenratspräsident Andreas Thöny am Rande des Diakonatskapitels in Davos.
Foto: zVg

Erhebung «Diakonie und Diakonat in den Kantonalkirchen»