28. 6. 2026

«Von guten Mächten treu und still umgeben»

Pfarrer Dirk Olaf Schulz und sein Korreferent Schauspieler Andrea Zogg haben am Samstag die Synodalproposition gehalten. Unter dem Titel «‚Von guten Mächten treu und still umgeben‘ – Erinnerung nach vorn! Impulse aus dem Leben und Werk Dietrich Bonhoeffers für das Christsein heute» liess Schulz die Synode an seiner tiefen Auseinandersetzung mit dem deutschen Theologen teilhaben. Bonhoeffer war am Widerstand gegen die Nationalsozialisten beteiligt und von April 1943 bis zu seiner Hinrichtung nur kurz vor dem Kriegsende inhaftiert. Ein bedeutender Teil seiner Schriften, wie das Gedicht «Von guten Mächten treu und still umgeben», entstand in dieser Zeit.

Bonhoeffer sei der wirkmächtigste evangelische «Heilige», führte Schulz aus. Sein mutiges Handeln als Theologe und Christ in der Zeit der nationalsozialistischen Diktatur werde weltweit geachtet. Für Schulz war und ist Bonhoeffer ein Prophet, ein Übermittler und Zeuge für Gottes Wort an die Menschen in Heil und Unheil. Er lege die Finger in die Wunden der Zeit und halte die Erinnerung für einen Ruf nach vorn wach. Diese heilsame Provokation sei erwünscht, sagte Schulz. Der Gottesdienst sei, wie das Theater, so etwas wie «heiliges Spiel». Es vollführe Höhenflüge, leuchte Abgründe aus, bewahre kulturelles Erbe und bringe sich in die Gegenwart ein.

Das Gedicht «Von guten Mächten» schrieb Bonhoeffer in der Adventszeit 1944, nach eineinhalb Jahren Haft, Isolation, Selbstzweifeln und Angst um seine Angehörigen. Es sei ein Bittgebet, eine Bitte um Ermutigung, führte Schulz aus. Es sage auch, dass selbst der Weg ins Leid ein Weg mit Gott sei. Die Zeile «Wir wissen es, Dein Licht [Christus] scheint in der Nacht» ermutige zum Widerstand. Bonhoeffer habe zu seiner Zeit im Wort und in der Tat Mut bewiesen. Er habe aber auch den nachkommenden Generationen Fragen stellt, denen nicht auszuweichen sei. Etwa die Frage «… wer Christus heute für uns eigentlich ist» oder «… wie eine kommende Generation weiterleben soll». Schulz rief die Synodalen dazu auf, sich diese Fragen von Bonhoeffer heute stellen zu lassen.

Eine trostbringende Lichtgestalt nannte Andrea Zogg Bonhoeffer in seinem Korreferat. Als Bonhoeffer «Von guten Mächten» schrieb, habe er sich, wie die blaue Stunde zwischen Tag und Nacht, zwischen Leben und Tod befunden. Zogg nahm die Analogie von Gottesdienst und Theater auf und verwies auf Sophokles’ Antigone: «Nicht mitzuhassen, mitzulieben bin ich da». Das Theater könne Unrecht sichtbar machen, Denkanstösse geben und einen Dialog auslösen. Es biete in einer oberflächlichen Welt einen Raum der Tiefe.

Im Anschluss diskutierten die Synodalen die Thesen der Proposition und liessen den Referenten und Korreferenten auf ihre Fragen antworten.

Jan Roth
Kommunikation

Bild: Korreferent Andrea Zogg am Rednerpult, rechts in der ersten Reihe Referent Dirk Olf Schulz. Bild: Jan Roth