23.6.2022

Synode in Trimmis eröffnet

„Etwas vom Wertvollsten, das uns im Leben gegeben ist, ist der Mensch neben uns“, sagte Dekan Thomas Müller-Weigl zur Eröffnung der Synode in Trimmis/Says. Synode, das bedeute debattieren und entscheiden. Zugleich sei die seit 1537 jährlich stattfindende Versammlung der Bündner Pfarrpersonen aber auch eine Weggemeinschaft, ein Ort der Solidarität, des Vertrauens und des Miteinanders. Pfarrpersonen seien heute nicht selten in Frage gestellt, so der Dekan, vielfältige Kritik aus Umwelt und Gesellschaft müsse ausgehalten werden. „Danke, dass ihr dran bleibt“, sagte Müller-Weigl und ermunterte die Anwesenden zu Nächstenliebe in Wort und Tat. Synode bedeute auch, Kraft zu schöpfen  und umgeben zu sein von Menschen, denen Kirche auch wichtig ist.

Zeichen der Ökumene. In der von musikalischen Darbietungen und von der Herzlichkeit der gastgebenden Kirchgemeinde Trimmis/Says geprägten Eröffnungsfeier richtete neben dem Kirchgemeindepräsidenten ad interim auch der Churer Bischof Joseph Maria Bonnemain ein Grusswort an die Synodalen. Das war ein Novum und wurde von nicht wenigen als ermutigendes Zeichen für die Zusammenarbeit der Konfessionen gewertet. „Wir handeln synodal, wenn wir bereit sind, aufeinander zu hören, voneinander zu lernen und so den Geist Gottes zu erkennen“, sagte Bonnemain. Es gehöre dazu ein realistischer Blick und die Offenheit für Gottes Geist.

In einem Gastvortrag warf Professor Konrad Schmid von der Universität Zürich einen Blick auf die Entstehungsbedingungen der demokratischen Ideen weltweit. Auch die biblische Vorstellung, wonach Gott den Menschen „nach seinem Bilde“ geschaffen habe, hätte neben Humanismus, Aufklärung und Reformation einen Beitrag dazu geleistet. Entstanden im sechsten Jahrhundert vor Christus in Auseinandersetzung mit der babylonischen Wissenschaft, sei die Vorstellung der Gottebenbildlichkeit revolutionär gewesen, führte Schmid aus. Erstmals in der Geistesgeschichte sei damit wie auch im Zug der prophetischen Kritik am Königtum postuliert worden, dass alle Menschen gleich seien – und zu Verantwortung fähig.

Neue ensa-Kurse. Bettina Beer von der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz informierte über die auch für Graubünden geplante Lancierung von ensa-Kursen. „Psychische Krankheit sieht man nicht“, rief die Pfarrerin, die sich selbst als Betroffene bezeichnet, in Erinnerung. Jede zweite Person hätte im Laufe des Lebens mit psychischen Schwierigkeiten zu kämpfen und zwei von drei Personen bekämen dabei nicht die nötige Unterstützung, so Beer. Stattdessen würden viele Betroffene leiden und schweigen – und die Angehörigen mit ihnen. „Nichts tun ist immer falsch“, meinte Beer. Die ensa-Kurse sollen darum mithelfen, solche Schwierigkeiten früh zu erkennen und etwas dagegen zu tun. Kirchgemeinden seien dafür prädestiniert, weil sich dort viele Menschen träfen. „Ersthilfe durch Reagieren“ sei das Ziel, das man mit der Lancierung erreichen wolle. Es gehe darum, einander beizustehen – in klarer Abgrenzung zu Diagnose und Therapie. Die ensa-Kurse werden in der Schweiz von den Kirchen in Zusammenarbeit mit Pro Mente Sana angeboten. Geplant sind Webinare, Präsenzkurse und Coachinggespräche für Führungspersonen. Ein erster Kurs in Graubünden soll im Oktober stattfinden.

Hauptaufgabe der bis Montag in Trimmis/Says tagenden Synode wird es sein, über die Aufnahme von fünf neuen Synodalen zu befinden. Diese haben sich der Synode mit Lebenslauf und Predigt vorzustellen. Den definitiven Entscheid über die Aufnahme fällt am Freitag in geschlossener Sitzung. Diese Pfarrpersonen bewerben sich um Aufnahme: Thomas Maurer (Celerina), Didier Meyer (Samedan), Janine Schweizer (Davos Platz), Simone Straub (Tschiertschen), Paolo Tognina (Poschiavo). Die Zugehörigkeit zur Synode ist im Kanton Graubünden für reformierte Pfarrpersonen Voraussetzung, um von einer Kirchgemeinde gewählt werden zu können.

Livestream Synodalgottesdienst

Stefan Hügli
Kommunikation

Bild: Eröffnungsfeier in der Kirche Trimmis mit Jean-Marie Tricoteaux an der Orgel und Liedern der 1. Klasse Trimmis unter der Leitung von Celine Malär.