Die Kirchgemeinde ist der Ort, wo kirchliches Leben stattfindet. In der Kirchgemeinde begegnen sich Menschen an verschiedenen Anlässen, hier findet die Verkündigung des Evangeliums statt. Die regionalen und kantonalen Gremien unterstützen die Kirchgemeinden in ihren Tätigkeiten.

Gemeindeautonomie. In der Bündner Landeskirche geniessen die Kirchgemeinden eine relativ hohe Eigenständigkeit. Dies zeigt sich im Recht, den eigenen Pfarrer, bzw. die eigene Pfarrerin zu wählen. Dieses reicht zurück bis in die Reformationszeit.

Starkes Netzwerk. Die Kirchgemeinden sind eingebunden in ihre Kirchenregionen und in kantonale Gremien. Eine eindrückliche Form der Solidarität ist der Finanzausgleich, durch den finanzstärkere Kirchgemeinden die finanzschwächeren unterstützen.

 

Rechtsform und Mitgliedschaft

Die Kirchgemeinden sind Körperschaften öffentlichen Rechts (KGS Art. 4 LKV). Sie müssen sich nach demokratischen Grundsätzen organisieren und sich rechtliche Grundlagen geben. Entsprechende Mustervorlagen können bei der landeskirchlichen Verwaltung bezogen werden:

  • Kirchgemeindeordnung
  • Steuergesetz
  • weitere Gesetze und Reglemente nach Bedarf

Ein- oder Austritte erfolgen durch schriftliche Mitteilung an den zuständigen Kirchgemeindevorstand. Der Eintritt bei der Geburt oder bei Zuzug erfolgt normalerweise über die Mitteilung an die politische Gemeinde, welche die Angaben an die Kirchgemeinde weiterleitet.

Territorialprinzip. Eine Person kann nur in derjenigen Kirchgemeinde Mitglied sein, in der sie ihren Wohnsitz hat. Ausnahmen sind möglich. Solange die gesetzliche Ausgestaltung dieser Ausnahmeregelung noch nicht vorliegt, können noch keine Ausnahmen vom Territorialprinzip gemacht werden.

Kein Unterschied zwischen Laien und Geistlichen. „Alle Mitglieder der Kirchgemeinde tragen gemeinsam das Leben der Kirche“ – hält die landeskirchliche Verfassung in Art. 9 fest. Dies entspricht dem reformierten Verständnis von Kirche, wonach alle (und nicht nur die Gewählten oder Angestellten) die Gemeinde tragen. Alle Mitglieder sind eingeladen, das Gemeindeleben nach ihren Möglichkeiten, ihren Gaben und Fähigkeiten mitzugestalten.

Zusammenarbeit

Die Kirchgemeinden gestalten das kirchliche Leben auf ihrem Gebiet. Dazu arbeiten sie mit anderen zusammen, als Kirchenregion, als Pastorationsgemeinschaft oder mit anderen Kirchen und Gemeinschaften:

  • Kirchenregion
    Die Zusammenarbeit ist institutionell vorgegeben. Die beteiligten Kirchgemeinden legen miteinander fest, welche Aufgaben sie gemeinsam erfüllen wollen.
  • Pastorationsgemeinschaft
    Eine eher lockere Kooperation mit andern Kirchgemeinden, etwa für gemeinsame Projekte oder einzelne Gottesdienste.
  • Ökumene
    Die reformierten Kirchgemeinden finden in ihrer Umgebung oft auch andere christliche Kirchen und Gemeinschaften. Eine ökumenische Zusammenarbeit kann für alle bereichernd sein und wird sich an den Gegebenheiten vor Ort orientieren.

Die Kirchenregionen dienen der Zusammenarbeit unter den Kirchgemeinden. Sie verbinden Kirchgemeinden und die Kantonalkirche, zum Beispiel dadurch, dass sie Vernehmlassungen bearbeiten.

Ein vielfältigeres Angebot – das ist das Ziel der übergemeindlichen Zusammenarbeit. Zudem ermöglicht sie eine Schwerpunktsetzung auch im Einzelpfarramt. Die Regionalstatuten legen fest, was gemeinsam angegangen wird. Selbstverständlich gibt es daneben weitere Formen regionaler Zusammenarbeit. Gelungene Zusammenarbeit ergibt sich oft unerwartet. Es gilt, passende Situationen zu erkennen und ein Projekt auch einmal probeweise anzugehen.

Bis Anfang 2021 soll die Umgestaltung der bisher zehn Kolloquien in Kirchenregionen abgeschlossen sein. Die neuen Regionen ergeben sich aus den geographischen Gegebenheiten und den Aufgaben, die gemeinsam angegangen werden sollen.

Rechtliche Grundlagen: Verfassung (KGS 100, 24-27), Kolloquial-, resp. Regionalstatuten

Organisation

Obligatorische Organe der Kirchenregion sind die Versammlung, der Vorstand und das Revisorat. Die weitere organisatorische Ausgestaltung liegt in der Hand der Region. Es können Kommissionen oder Arbeitsgruppen eingesetzt werden.

Zwei Funktionen, die der Kolloquial- resp. Regionalvorstand wahrnehmen kann, seien speziell hervorgehoben (KGS 100,27):

  • Der Vorstand vermittelt bei Konflikten innerhalb oder unter den Kirchgemeinden. Damit ist er eine erste, informelle Anlaufstelle bei Schwierigkeiten. Die niederschwellige Vermittlung hilft, Konflikte früh anzugehen und rechtzeitig Massnahmen zu ergreifen.
  • Ein synodales Mitglied des Vorstandes ist zuständig für die Installation von Pfarrpersonen. Eine Handreichung und ein Liturgievorschlag sind im zweiten Band der Bündner Liturgie zu finden (siehe unter Gottesdienst).

Weiterbildung und Austausch. Die Pfarrpersonen (Synodale sowie die Provisorinnen und Provisoren) einer Kirchenregion treffen sich zu regionalen Pastoralkonferenzen (KGS 100,43). Diese dienen der fachlichen Weiterbildung und dem kollegialen Austausch. Die Teilnahme ist obligatorisch. Sozialdiakoninnen und –diakone können mit eingeladen werden.

Downloads:
Vom Kolloquium zur Kirchenregion
Dal Colloquio alla regione ecclesiastica

Austausch und Weiterbildung

Pastoralkonferenzen. Die Pfarrpersonen (Synodale sowie die Provisorinnen und Provisoren) einer Kirchenregion treffen sich zu regionalen Pastoralkonferenzen (KGS 100,43). Diese dienen der fachlichen Weiterbildung und dem kollegialen Austausch. Die Teilnahme ist obligatorisch. Sozialdiakoninnen und –diakone können mit eingeladen werden.

Der Begriff Landeskirche hat eine doppelte Bedeutung. Im Namen „Evangelisch-reformierte Landeskirche Graubünden“ sind alle drei Ebenen (Kirchgemeinden, Kirchenregionen, kantonalen Organe) der Kirche vereint. Mit „Landeskirche“ können aber auch nur die kantonalen Organe und Dienste mit den entsprechenden Angestellten gemeint sein.

Anlehnung an staatliche Strukturen. Die Landeskirche ist auf allen Ebenen demokratisch aufgebaut. Die Zuständigkeiten, Mitwirkungsrechte und Pflichten werden in Rechtsgebungsverfahren geregelt. Informationen zu den Organen auf kantonaler Ebene, dem Auftrag der Kirche und inhaltlichen Grundsätzen bietet die Internetseite der Landeskirche. Einige zusätzliche Angaben sind im Folgenden aufgeführt.

Die rechtlichen Grundlagen der Landeskirche sind in der Verfassung festgelegt, welche von den Stimmberechtigten am 10. Juni 2018 angenommen wurde. Um diese Regelungen zu konkretisieren, erlässt der EGR Gesetze, welche wiederum durch den Kirchenrat in Verordnungen, Reglementen etc. ausgestaltet werden. Alle Erlasse, welche durch kantonale Organe erfolgt sind, werden in der Kirchlichen Gesetzessammlung aufgeführt. Die Behördenmitglieder und Pfarrpersonen erhalten auch eine gedruckte Version, die einmal jährlich durch eine Ergänzungslieferung aktualisiert wird.

Publikationen

Der Amtsbericht des Kirchenrates gibt jährlich Auskunft über die Tätigkeiten der Landeskirche. Ein ausführlicher Anhang nennt Kennzahlen, die Zusammensetzung von Behörden und Kommissionen sowie Mitarbeitende und Beauftragte.

Mit dem Ausschreiben teilt der Kirchenrat den Kirchgemeindevorständen und den Kirchenregionen mit, welche Themenan den Kolloqien zu bearbeiten sind. Es dient auch als Informationen zu laufenden Projekten oder zu Anliegen aus der Verwaltung.

Dialogintern ist das Infomagazin der Landeskirche. Es richtet sich an alle Mitarbeitenden und Behördenmitglieder. Dialogintern bietet eine bunte Mischung an Aktualitäten, Hintergrundberichten und Informationen.

Die Website gr-ref.ch ist ein öffentlicher Auftritt der Landeskirche. Sie bietet Interessierten aktuelle Informationen und einen guten Überblick zur Organisation der Landeskirche.

Der Newsletter „Bildungsnews“weist auf aktuelle Bildungsveranstaltungen hin. Eine Registrierung kann gleichzeitig mit einer Kursanmeldung erfolgen oder per Mail an .

Kirche Praktisch ist eine Online-Publikation und richtet sich an alle, die ehrenamtlich, angestellt oder freiwillig in einer Kirchgemeinde tätig sind. Diese Handreichung enthält nützliche Informationen und Arbeitshilfen für die praktische Arbeit.

Sitzungstermine

Der Evangelische Grosse Rat tritt zweimal pro Jahr zusammen, jeweils am ersten Mittwoch im Juni und am zweiten Mittwoch im November.

Die ordentliche Synode findet vom Donnerstag vor dem letzten Sonntag im Juni bis zum folgenden Montag statt. Die synodale Arbeitstagung wird von Montag- bis Dienstagmittag Ende Januar angesetzt.

Der Kirchenrat tagt monatlich. Das Dekanat hält etwa fünf Sitzungen pro Jahr ab. Es trifft gewisse Entscheide auf dem Zirkularweg, das heisst in schriftlicher Form zwischen den Sitzungsterminen.

Die Sitzungstermine von EGR, Synode und Kirchenrat werden auf der Internetseite der Landeskirche und im Ausschreiben aufgeführt.

Kontaktpersonen

Im Dienst der Kirchgemeinden. Die Angestellten der Verwaltung und der Fachstellen sowie die Mitglieder von Kirchenrat und Dekanat geben gerne Auskünfte oder beantworten Fragen. Die Kontaktangaben sind auf der Internetseite zu finden, für die Fachstellen in der thematischen Übersicht „Unser Engagement“, für die Behörden- und Verwaltungsmitglieder unter „Organisation“.

Bei Unklarheiten hilft das Sekretariat unter 081 257 11 00 oder weiter.

Abkürzungen erleichtern Eingeweihten die Arbeit, schaffen jedoch Verwirrung, wenn sie nicht bekannt sind. Unten steht die Aufschlüsselung.

Die wichtigsten Abkürzungen auf einen Blick

A+W
Aus- und Weiterbildungsangebot des Konkordats für Pfarrpersonen
AF
Arbeitsgemeinschaft freie Theologie – eine Fraktion der Synode
BDG
Bürgschafts- und Darlehensgenossenschaft der Landeskirche
Bfa
Hilfswerk „Brot für alle“
EGR
Evangelischer Grosser Rat
EKS
Evangelisch-reformierte Kirche Schweiz (Nachfolgerin des SEK)
G2W
Ökum. Forum für Glauben, Religion und Gesellschaft in Ost und West
GEKE
Gemeinschaft evangelischer Kirchen in Europa
HEKS
Hilfswerk der Evangelischen Kirchen Schweiz
HRM2
Harmonisiertes Rechnungsmodell des öffentlichen Sektors
KEK
Kantonale Evangelische Kirchenkasse
KGS
Kirchliche Gesetzessammlung
KIKO
Deutschschweizerische Kirchenkonferenz
KiT
Kirche im Tourismus
LKV Landeskirchliche Verfassung
m21
mission21
MIF
Migration, Integration, Flüchtlinge
ÖME
Ökumene, Mission, Entwicklung
opf
Office Protestant de la Formation de la Conférence des Églises romandes
ÖRK
Ökumenischer Rat der Kirchen
pwb
Pfarrweiterbildung der Reformierten Kirchen Bern-Jura-Solothurn
RSF
Religiös-soziale Fraktion – eine Fraktion der Synode
SEK
Schweizerischer Evangelischer Kirchenbund
TAG
Theologische Arbeitsgemeinschaft – eine Fraktion der Synode
VOGRA
Verband für Orgeldienst und Kirchengesang in Graubünden
WeA
Weiterbildung in den ersten Amtsjahren
WGRK
Weltgemeinschaft reformierter Kirchen