Themen des Lebens

Das Kirchenjahr ist anders. Das zeigt sich schon darin, dass es nicht am ersten Januar beginnt, sondern am ersten Advent. Das Kirchenjahr beginnt, wenn die Tage kalt und kurz sind. Es orientiert sich an den zentralen Themen des christlichen Glaubens. Im Mittelpunkt der Feste und Feiern steht Jesus Christus. Das Kirchenjahr folgt wie das Werden und Vergehen der Natur einem eigenen Rhythmus und bringt die grossen Themen des Lebens zur Sprache: Geborenwerden und Sterben, Widerstand und Hoffnung, Liebe und Gewalt, Endlichkeit und Ewigkeit. Das Kirchenjahr besteht aus drei Festzeiten: der Weihnachtsfestzeit, der Osterfestzeit und der Trinitatisfestzeit.

Advent

Advent ist die Zeit des Wartens. Wir warten im Advent auf Weihnachten und darauf, dass Gott kommt. Das Wort „Advent“ kommt vom lateinischen Wort „adventus“ und bedeutet „Ankunft“. Wir feiern die Adventszeit als eine Zeit der Besinnung, mit besonderen Gottesdiensten – auch mal am Abend – bei Kerzenlicht, mit Stille, Wort und Musik. Und wir sammeln Geld für das Hilfswerk der Evangelischen Kirchen Schweiz (HEKS).

Weihnachten

Gott wird Mensch – das feiern wir an Weihnachten. Es ist das Fest der Geburt Jesu. Im Zentrum der Weihnachtsgottesdienste steht die Weihnachtsgeschichte aus dem Lukas-Evangelium (Kapitel 2). Es ist die Geschichte von Maria und Josef, die keine Herberge finden, der Hirten und der Engel, die ihnen das „Fürchtet euch nicht“ zurufen, und des „Messias“, der jenseits der Paläste in einem Stall geboren wird. Trotzdem nennt die Bibel ihn „Friedefürst“ und „Retter der Welt“. In unseren Kirchen gibt es Gottesdienste zum Heiligabend (24.12.) und Weihnachtsgottesdienste (25.12.) mit Abendmahl.

Passionszeit

In Gottesdiensten der Passionszeit (Fastenzeit) gedenken wir der Leidensgeschichte von Jesus, wie sie in den Evangelien geschildert wird (lat. passio = Leiden). Die Passionszeit umfasst die 40 Tage zwischen Aschermittwoch und Ostern. Das ist in den Kirchgemeinden zugleich die Zeit der „Ökumenischen Kampagne“, die sich für eine solidarische Welt einsetzt, in der alle genug zum Leben haben. Sie wird vom kirchlichen Entwicklungsdienst „Brot für alle“ mitverantwortet.

Gründonnerstag

Am Gründonnerstag gedenken wir der Einsetzung des Abendmahls durch Jesus. Nach dem Bericht der Evangelien (Matthäus 26, 17-30 und Markus 14, 12-26) feierte Jesus zusammen mit seinen Jüngern am Tag vor seiner Hinrichtung ein festliches Mahl. Das Wort „Grün“ hat vermutlich nichts mit der Farbe zu tun, sondern wurde vom Wort „greinen“ (weinen) abgeleitet.

Karfreitag

Karfreitag ist der Tag der Kreuzigung Jesu. Der Überlieferung zufolge wurde Jesus auf einem Hügel vor den Toren Jerusalems als Verbrecher hingerichtet. Karfreitag stammt vom altdeutschen Wort „karen“ (wehklagen) ab. Die Gottesdienste an diesem Tag stehen ganz im Zeichen der Trauer und des Nachdenkens über Schuld, die Brutalität der Gewalt und die Tatsache, dass das offensichtlich Gute und Lebensdienliche bisweilen sträflich unter die Räder kommt.

Ostern

In den Ostergottesdiensten feiern wir die Auferweckung Jesu von den Toten (1. Korinther 15, 3-5). „Der Herr ist auferstanden“ – so lautet der liturgische Gruss am Anfang einer Osterfeier, und die Gemeinde antwortet: „Er ist wahrhaftig auferstanden“. Wir glauben, dass das Leben stärker ist als der Tod, die Gerechtigkeit stärker als das Unrecht, die Liebe stärker als die Gewalt. Mancherorts gibt es auch Ostergottesdienste, die im Dunkeln beginnen – bis eine Kerze in die Kirche getragen wird und so den Raum erleuchtet.

Pfingsten

Pfingsten (griech.: pentecoste – 50. Tag) ist das Fest des Heiligen Geistes. In unseren Pfingstgottesdiensten vergegenwärtigen wir uns, wie die ängstlich versammelten Jünger Jesu von einem mächtigen Brausen überrascht wurden. Dieses habe aus verzagten Frauen und Männern Glaubenszeugen gemacht, die nicht mehr schweigen konnten und in einer Art redeten, dass sie alle verstehen konnten. Pfingsten gilt als „Geburtstag“ der Kirche.

Eidgenössischer Dank-, Buss- und Bettag

In den Bettagsgottesdiensten besinnen wir uns auf das Verbindende und den Respekt vor den politisch und religiös Andersdenkenden. Wir feiern ihn als Tag der Geschwisterlichkeit und der Solidarität. Die Bündner Regierung verfasst jedes Jahr ein sogenanntes „Bettagsmandat“, das in den Gottesdiensten verlesen wird. Die Wurzeln des Eidgenössischen Dank-, Buss- und Bettags gehen zurück in die Zeit der Anfänge des Schweizerischen Bundesstaates. Er sollte den Religionsfrieden festigen und so das noch junge und labile Staatsgebilde stärken.

Bündner Herbstfest

Am Herbstfest schmücken wir unsere Tauftische mit Obst, Getreide, Gemüse, Brot und Wein. Es ist ein Zeichen der Dankbarkeit für die Ernte des Jahres. Das Herbstfest ist ein Gottesdienst, bei dem die Dankbarkeit für das Erreichte im Vordergrund steht – im Wissen, dass es, wie vieles andere im Leben auch, letztlich unverfügbar ist. Das Herbstfest wird auch Erntedankfest genannt. 

Reformationssonntag

Was macht uns als Kirche aus? Darauf besinnen wir uns am Reformationssonntag. „allein Christus“, „allein die Gnade“, „allein die Schrift“ – doch was heisst das? Traditionellerweise ist mit dem Reformationssonntag die Kollekte für die Protestantisch-Kirchlichen Hilfsvereine verbunden. Sie kommt den Gemeinden der Diaspora und damit der innerprotestantischen Solidarität zugute.

Ewigkeitssonntag

Ein würdiges Andenken an verstorbene Gemeindeglieder ist uns wichtig. Wir tun es in aller Schlichtheit am letzten Sonntag des Kirchenjahres, dem sogenannten „Totensonntag“ oder, je nach örtlichem Brauch, am Altjahrabend. Im Gottesdienst werden die Namen der verstorbenen Personen verlesen und mancherorts wird für sie eine Kerze angezündet – in der Kirche oder auf dem Friedhof. Der Ewigkeitssonntag markiert das Ende des Kirchenjahrs. Auf das Ende folgt der Advent – ein Neuanfang. Wir sehen darin unseren Glauben gespiegelt, dass der Tod nicht das letzte Wort hat.