14.1.2019

12 Jahre Reformationsgeschichte in 2 Stunden. Der Film zeigt die turbulenten Ereignisse um Huldrych Zwingli (Max Simonischek) im Zürich des beginnenden sechzehnten Jahrhunderts. Regisseur Stefan Haupt stellt den Reformatoren in seinem Kampf für die biblische Botschaft und gegen scheinbar unumstössliche Gebote als rebellischen Geist mit gutem Gespür fürs politisch Machbare dar. Der Film zeigt, wie Zwingli Kirche und Gesellschaft in erstaunlich kurzer Zeit umbaute. „Der Film ist keine Heldengeschichte“, meinte Haupt anlässlich der Bündner Vorpremiere in Chur, dazu hätte der Schluss des Films anders erzählt und die dunkle Seite der reformatorischen Umwälzungen zu sehr ausgeblendet werden müssen. Was Haupt an der Person Zwinglis am meisten interessiert hat, ist dessen Appell an die Eigenverantwortung und der unerschütterliche Glaube daran, dass Veränderung möglich ist. „Jeder Mensch soll frei sein – davon könnte sich heute mancher eine Scheibe abschneiden“, sagte Haupt.

„Zwingli“ ist auch ein Film über starke Frauen. Zum Beispiel die Äbtissin des Frauenklosters, Katharina von Zimmern (Rachel Braunschweig), die mit den reformatorischen Ideen sympathisierte und schliesslich in die Enteignung des Klosters zugunsten der städtischen Armenfürsorge einwilligt. Oder Anna Reinhart (Sarah Sophia Meyer), Zwinglis Ehefrau. „Viele halten lieber an ihren alten Überzeugungen fest“, wird sie am Schluss des Films sagen, „ich aber habe gelernt, dass mir nur das Suchen bleibt“. Hin- und hergeworfen zwischen der entschlossenen Leichtigkeit Zwinglis und der Angst vor seinen revolutionären Ideen, mahnt sie zur Zurückhaltung. Doch die Lage eskaliert. Anna Reinhart wird Mann und Sohn auf dem Schlachtfeld bei Kappel am Albis verlieren.

Mit Andrea Zogg. Auf dem Filmset und bei der Vorpremiere dabei war auch der Bündner Schauspieler Andrea Zogg. Als Chorherr Hofmann hatte er eine markante Rolle im Clinch zwischen Bewahrung und Erneuerung zu spielen. Die „bösen“ Rollen seien die spannendsten, sagte Zogg in Chur, schliesslich trage jeder Mensch unterschiedliche Charakterzüge in sich. Die Rolle des Chorherrn Hofmann im Zwinglifilm habe ihm die Gelegenheit geboten, das auszuleben. Und ja, die Umwälzungen der Reformation hätten vor 500 Jahren kurz nach der Erfindung des Buchdrucks stattgefunden. Ein Aufbruch, so Zogg, könnte doch auch jetzt, kurz nach der Erfindung des World Wide Web, wieder passieren. Der Film nähre diesen Traum.

Für Unterrichtszwecke gibt es zum Film diverse Begleitmaterialien.

Stefan Hügli

Bild: Vorpremiere in Chur: Regisseur Stefan Haupt, Produzentin Anne Walser und Schauspieler Andrea Zogg.

Trailer
Filmtipp (ref.ch)
Regisseur Stefan Haupt hält Zwingli nicht für zwinglianisch (ref.ch)