25.6.2018

Ja zu KOVI

Für menschenwürdiges Wirtschaften. Die Synode hat am Montag eine Stellungsnahme zur Konzernverantwortungsinitiative verabschiedet. „Wir sind empört“, heisst es darin, es gehe nicht an, dass die Folgen wirtschaftlichen Tuns auf spätere Generationen oder auf andere Länder abgewälzt würden. Die Stellungnahme der Synode stützt ab auf eine Studie von „Fastenopfer“ und „Brot für alle“, wonach lediglich 11 Prozent der 200 grössten Schweizer Konzerne ihre Unternehmenspolitik nach den Leitprinzipien der UNO zu Wirtschaft und Menschenrechten ausrichten. „Wirtschaft soll Menschen dienen“, fordern die Synodalen, und das bedeute dreierlei: erstens ein nachhaltiger Umgang mit der Um- und Mitwelt; zweitens eine sozialverträgliche Arbeits- und Geschäftswelt und drittens eine menschenwürdige Wirtschaft. Schon die Synode 2015 im Bergell hatte sich mit der Konzernverantwortungsinitiative befasst, damals sprachen sich die Synodalen für die Unterschriftensammlung zugunsten der Initiative aus. Nein, der Gegenvorschlag zur Initiative sei nicht ausreichend, hiess es nun in Cazis. Die Synode verabschiedete die Stellungnahme klar mit 57 Ja bei drei Enthaltungen.

Um aktuelle Trends in der Psychiatrie ging es im zweiten Teil der Sitzung. „Das Bild, dass es einen einfach gut geht, wenn man in der Bergen lebt, stimmt nicht“, sagte Dr. Andres Schneeberger, ärztlicher Direktor der Psychiatrischen Dienste Graubünden (PDGR). Depressionen seien gerade in ländlichen Gebieten häufig. Offen ist, ob das mit der schlechteren Erreichbarkeit psychiatrischen Dienstleistungen oder mit anderen Gründen zusammenhänge. „Wir wollen hin zum Menschen“, sagte Schneeberger und sprach über Traumata und Transgender („Wenn Körper und Seele nicht zueinander passen“) und von den Belastungen, die solche Leiden zur Folge haben – sozial, beruflich, körperlich. Spiritualität werde zunehmend wichtiger in der Psychiatrie, liess er die Pfarrpersonen wissen. Auch im Care-Team Grischun seien darum verhältnismässig viele Theologen tätig. Überhaupt befinde sich die Psychiatrie heute in einem grundlegenden Wandel weg von den Defiziten eines Patienten hin zu dessen Ressourcen und Potentialen. Eine wichtige Neuerung sei auch die „Peerarbeit“. Dabei übernehmen ehemalige Patienten eine Brückenfunktion zwischen Arzt und Patient, laut Schneeberger mit gutem Erfolg. Die anschliessende Diskussion zeigte auf, wie vielerorts in Graubünden psychische Leiden nach wie vor tabuisiert werden. Eine „Entstigmatisierung“ sei dringend nötig.

Wahlen. Pfrn. Cornelia Camichel Bromeis wurde mit sehr gutem Resultat in ihrem Amt als Dekanin bestätigt. Pfr. Jens Köhre und Pfr. Roland Hadorn wurden in die Rekurskommission gewählt. Nächster Synodalort wird Poschiavo sein.

Stefan Hügli

Die Stellungnahme im Wortlaut

Bild: 57 Ja bei 3 Enthaltungen. Die Synode verabschiedet die Stellungnahme.