19. August 2019

Wie ist eine Gemeinde zu leiten? Die Kirchgemeindepräsidien haben an der Zukunftstagung in Davos Fragen der Gemeindeleitung diskutiert.

Seit dem 1. Januar 2019 ist die neue Verfassung der Evangelisch-reformierten Landeskirche in Kraft. Darin verankert ist die „gemeinsame Gemeindeleitung“, wonach eine Kirchgemeinde in Zusammenarbeit von Vorstand und Pfarramt geleitet werden soll. Die Idee dahinter: Beide tragen die Verantwortung für das kirchliche Leben, trotz unterschiedlicher Sichtweisen und Aufgabenbereiche. „Immerwährendes Aushandeln“ gehöre im Alltag von kirchlichen Leitungspersonen selbstverständlich dazu, sagte Kirchenratspräsident Andreas Thöny. Es sei geradezu „typisch reformiert“.

Impulse aus der Organisationsentwicklung. Daniela Steiner vom Management Centrum Vorarlberg wies auf die Bedeutung von Unternehmenskultur und Zukunftsbildern hin. Kirchliche Organisationen hätten einen stark ausgeprägten „Existenzgrund“. Steiner zeigte eine Grafik mit vier konzentrischen Kreisen. Der erste und innerste Kreis symbolisiere, worum es der Organisation im Kern gehe, der zweite die Menschen und die Kultur. Beides zusammen nennt Steiner die „Tiefenstruktur“. Der dritte Kreis stehe für Ordnung und Regelung und der vierte für die Rahmenbedingungen wie Finanzen oder zur Verfügung stehende Räume. Auch in Zeiten, wo (Neu-)Ordnung und Anpassung der Rahmenbedingungen viel Zeit und Energie in Anspruch nähmen, sei die Tiefenstruktur sorgsam zu pflegen, mahnt Steiner.

Gemeinden im Umbruch. Die Zukunftstagung in Davos regte zum Diskutieren an. Wertschätzung, Partizipation, Vielfalt, Dialog, Kooperation und organisationelles Lernen: Entscheidend sei nicht die Kultur, die eine Organisation gerne hätte, sondern diejenige, die sie tatsächlich lebe. „Gibt es in ihrer Kirchgemeinde Wertschätzung?“, fragt Steiner, „gibt es Raum für Konflikte?“. Klar wurde an der Tagung auch, wie anspruchsvoll das Amt des Kirchgemeindepräsidiums ist. Es ist ein Ehrenamt, das oft neben Beruf und Familie ausgeübt wird. „Ich bin froh, wenn ich das erledigen kann, was mir zu Füssen liegt“, sagte eine Kirchgemeindepräsidentin aus dem Engadin. Dennoch bleibt sie dran.

Anspruchsvolle Aufgabe. In Workshops bekamen die Teilnehmenden Anregungen und konkrete Hilfestellungen für die Arbeit vor Ort. Die Themen: Mitarbeitendengespräche führen, Konflikt und Kooperation, Projekte gemeinsam steuern, Teamentwicklung. Einen ganz anderen Zugang zum Thema boten Rolf Grillo und Elisabeth Osewod aus Freiburg. Mit Singen, Klopfen, Klatschen und Bodypercussion fragten sie nach der Bedeutung von Rhythmus für Teams, machten Führen und Folgen erlebbar, gaben kreative Impulse und liessen Neues daraus entstehen.

Stefan Hügli

 

Bild: „Auf die gelebte Kultur kommt es an“ – Daniela Steiner vom Management Center Vorarlberg spricht in Davos.