26. Juni 2020

Drei statt fünf Tage

Die reformierten Bündner Pfarrpersonen haben sich in der Comanderkirche in Chur zur Synode versammelt. Als „Corona-Synode“ wird sie in die Geschichte eingehen: Drei statt fünf Tage dauert sie, einzelne Personen tragen Schutzmasken, das Rednerpult wird nach jedem Votum gereinigt. „Hat die Bündner Kirche während der Corona-Zeit zu sehr geschwiegen?“ fragte die Dekanin in der Eröffnungsanpsrache und nimmt dabei kritische Anfragen auf.  Hat sie sich zu wenig für die Menschen stark gemacht? „Nein“, meinte Cornelia Camichel Bromeis,  „wir haben nicht geschwiegen, wir alle nicht“. Der Lockdown habe die Verletzlichkeit des Lebens bewusst gemacht, aber auch eine neue Solidarität entstehen lassen. Nebst vielen Schwierigkeiten, Isolation und Einsamkeit habe das in vielen Gemeinden einen „konstruktiven Schub“ ausgelöst, Mut zu neuen Ideen für das Zusammenleben vor Ort.

An die gesellschaftliche Bedeutung von Kirche erinnerte auch Curdin Mark in seinem Grusswort als gastgebender Kirchgemeindepräsident. Eine Institution wie die Synode trage eine Gesellschaft mehr als vielen bewusst ist. Als eine der ältesten Synoden des Protestantismus sei die Bündner Synode ein einzigartiges Gefäss. „Geben sie acht, dass sie sich nicht im Kleinen verstricken“, redete er den Anwesenden ins Gewissen, „haben sie mehr Mut, Stellung zu nehmen auch zu umstrittenen Fragen“. Zur Konzernverantwortung ist das bereits geschehen. Mark wünscht sich eine Stellungnahme der Synode zu vielen weiteren Fragen der Zeit, zur anstehenden Beschaffung von Kampfjets etwa, zu Fragen von Gerechtigkeit und Frieden – aus theologischer Sicht.

Neue Pfarrpersonen. Haupttraktandum am Freitag war die Vorstellung der Pfarrpersonen, die sich um Aufnahme bewerben. Drei Pfarrerinnen und drei Pfarrer sind es dieses Jahr. Sie alle haben sich der Synode mit Lebenslauf und Predigt vorzustellen. Vorausgesetzt werden ein abgeschlossenes Theologiestudium, ein berufspraktisches Ausbildungsjahr („Vikariat“) und die Empfehlung einer Kirchgemeinde. Über die Aufnahmen berät die Synode morgen Freitag in geschlossener Sitzung. Folgendes sind die Kandidatinnen und Kandidaten: Andreas Anderfuhren (Seewis), Lia Rahel Anderfuhren (Seewis), Niklaus Friedrich (Scuol/Tarasp), Claudia Judith Gabriel-Schneider (Vaz/Obervaz), Susanne Ortmann (Mesolcina/Calanca), Tobias Winkler (Landquart).

Für Emotionen sorgte der Bericht über die Krise im Rat der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz (EKS). Kirchenrätin Miriam Neubert zeichnete den Hergang der Ereignisse rund um die Rücktritte von Gottfried Locher und Sabine Brändlin und die Beschwerde wegen „Grenzverletzung“ auf. „Das ist ungemein schmerzhaft für die ganze Kirche“, sagte Neubert. Dass die Zuständigkeiten in Folge der neuen Verfassung noch nicht klar waren und dass Drohungen mit ins Spiel kamen, habe die Sache weiter verkompliziert. „Tragisch, dass die Beschwerde wegen „Grenzverletzung“ dabei schon fast in den Hintergrund gerät“, meint Neubert. Es gelte nun, die Fehler auf Ebene der EKS aufzuarbeiten – obwohl das mit erheblichen Kosten verbunden ist. Neubert gibt sich in ihrem Bericht dennoch zuversichtlich, dass die EKS wieder auf die Beine komme. Im November werden Wahlen stattfinden.

Pointiert-kritische Reaktionen gab es dazu von einzelnen Synodalen. Pfr. Heinz-Ulrich Richwinn erwog, per Dringlichkeitsantrag eine „Protestnote“ zu erarbeiten und an den Rat der EKS zu senden. Es sei unverständlich, dass angesichts der „unseligen Verquickung von Rücksicht, Macht und Eitelkeit“ nicht der ganze Rat zurückgetreten sei. Auch Pfarrer Jürg Jäger machte aus seiner Enttäuschung kein Geheimnis. Insbesondere darüber, dass versucht worden sei, die Sache unter den Teppich zu wischen. „Was jetzt Not tut, ist Transparenz, Transparenz und Transparenz“. Die Bündner Vertreter in der EKS wurden zu genauem Hinschauen bei Rechnung und Budget angehalten.

Nochmals Ja zu KOVI. Bereits vor zwei Jahren hat die Synode in Cazis eine Stellungnahme zur Konzerverantwortungsinitiative veröffentlicht und damit das Anliegen der Initianten unterstützt. Die Synode nahm nun diese ihre Stellungnahme noch einmal zur Kenntnis. Es gehe nicht an, dass die Folgen wirtschaftlichen Tuns auf spätere Generationen oder auf andere Länder abgewälzt würden, heisst es darin. „Eigentlich eine Selbstverständlichkeit“, sagte Kirchenrätin Barbara Hirsbrunner. Mehr als 120 Organisationen unterstützen die Initiative mittlerweile. Dem Budget der Initianten von einer Million Franken stehe ein Budget von acht Millionen Franken auf Seite der Initiativgegner gegenüber.

Verlautbarung KoVI, Synode 2020

Bild: Beraten, abstimmen und wählen mit Abstand: Synode in der Comanderkirche in Chur.

Stefan Hügli
Kommunikation