1.4.2018

Ostermorgen, sechs Uhr. Es ist dunkel und es schneit auf dem Weg zum Bergkirchli ob Arosa. Fackeln am Wegrand weisen die Spur. Da und dort lösen sich Silhouetten aus der Nacht. Die Gottesdienstbesucherinnen und -besucher haben ihre Mütze tief ins Gesicht gezogen. Es könnte Weihnachten sein. Die einen ziehen Schlitten hinter sich her, andere haben Skistöcke mitgenommen. Sogar der Schall der Glocken wird vom vielen Schnee geschluckt, noch bevor er hinaus kann ins Dunkel der Bergwelt.

Im Kirchenraum brennen Kerzen. Wenn hier im Bergkirchli Ostern gefeiert wird, feiern alle Sinne mit. „Was ihr verloren glaubtet, werdet ihr wieder erleben“, sagt Pfarrer Thomas Müller. Er liest Ostererzählungen, in denen ein Erdbeben vorkommt und Menschen schier verzweifeln. Frauen kommen darin vor und ein Stein, der weggerollt ist. Die Gemeinde singt von einem Licht, das im Dunkel der Nacht entzündet wird und nie mehr erlischt, sie singt von Hoffnung und Freude, von Stärke und Zuversicht.

Draussen dämmert der Tag. Das Licht dringt durch das schmale Fenster im Chor. „Christus ist auferstanden“, höre ich Pfarrer Müller sagen, er sei wahrhaftig auferstanden. Ich sehe, dass das Deckengewölbe dieser kleinen Bergkirche blau ist, ich entdecke kunstvolle Verzierungen und Sterne. Die Sterne seien Nägel, die das Gewölbe zusammenhalten, lasse ich mir später erklären, zwölf mal zwölf Stück. Wieder die Glocken. „Frohe Ostern“ wünschen sich die Aufbrechenden, andere bleiben noch sitzen.

Ich ziehe mir die Mütze über und trete ins Freie. Es hat aufgehört zu schneien und erstes Leben ist erwacht. Ein Pistenfahrzeug präpariert das nahe Skigebiet, Hundebesitzer machen, warm eingehüllt, die morgendliche Runde. Wie anders sehen jetzt die Fackeln am Wegrand aus. Ich stapfe und sinniere. Melodien klingen nach, Bilder wirken. Wie war das schon wieder mit der Hoffnung? Und wie war das gemeint, dass das, was aus Liebe und Vertrauen entstanden ist, nicht verloren gehen könne?

Stefan Hügli

 

Bild: Ostermorgen. Gottesdienstbesucherinnen auf dem Weg zum Bergkirchli ob Arosa.