10.9.2018

„MBARA OZIOMA“ heisst das neue Pfingstprojekt. Peter Kreiliger hat es in Schiers vorgestellt.

Dienstagvormittag, 11.30 Uhr. Zwölf junge Frauen des „Offenen Kurses für Bäuerinnen“ treffen sich im Bildungszentrum Palottis in Schiers zur letzten Lektion vor der Mittagspause. Die Stühle in der hinteren Reihe sind schnell besetzt, vorne steht Peter Kreiliger, der eingeladen ist, aus Nigeria zu erzählen. In Jeans und Dreitagebart tritt er vor die Klasse und zeigt ein Bild von tanzenden Bäuerinnen. Er erzählt von afrikanischer Lebensfreude, von Tönen und Klängen und von Ozioma, jenem Priester, der einst aus dem Bündner Oberland nach Nigeria zurückkehrte und eine Gemeindepartnerschaft begründete, die heute noch Menschen aus Afrika und der Schweiz miteinander verbindet.

Umunumo – so heisst das Dorf, von dem Kreiliger erzählen will. Kreiliger ist Schulleiter und Filmemacher, der sich in seiner Freizeit für Entwicklungszusammenarbeit stark macht. Er zeigt eine Karte von Nigeria. Umunumo liegt im Süden, mitten im Regenwald. Wer hier wohne, verdiene den Lebensunterhalt mit Landwirtschaft oder Kleingewerbe. Kreiliger erklärt den angehenden Bäuerinnen die dort übliche „Drei-Etagen-Landwirtschaft“. Auf der untersten Etage wird Maniok oder Yams angepflanzt. Die Bäume stünden jedoch so dicht, dass für Maschinen kein Durchkommen sei, für Traktoren schon gar nicht. Die mittlere Etage besteht aus Sträuchern, Stauden und Büschen – hier wachsen Nüsse, Beeren und Früchte, Mango zum Beispiel oder Papaja. Die oberste Etage besteht aus dem Blätterwerk der Bäume, das der Landwirtschaft den nötigen Schatten spendet, hier wachsen die Palmfrüchte. „Ohne Bäume wäre hier Wüste“, sagt Kreiliger.

Die Frauen stärken. Hauptakteure in Kreiligers Ausführungen sind die Frauen. Sie sind es, die die landwirtschaftliche Arbeit hauptsächlich leisten. Sie arbeiten auf dem Acker, erziehen die Kinder und sorgen dafür, dass die Familie das Nötigste hat. „Es lastet eine enorme Last auf den Schultern der Frauen“, sagt Kreiliger. Erschwerend komme hinzu, dass Frauen in Nigeria für gewöhnlich in die Familie ihres Mannes einheiraten und so ihr Dorf und ihr angestammtes soziales Netz verlassen. MBARA OZIOMA wolle die Stellung der Frauen stärken. Auch mit einer Genossenschaft, die sie bei der Vermaktung ihrer Produkte unterstützt. Dieser Genossenschaft gehören mittlerweile über 300 Frauen an.

In der Surselva entstanden. Der Verein MBARA OZIOMA wurde vor 12 Jahren in der Cadi gegründet und ist mittlerweile breit abgestützt. „Es geht um Empowerment“, sagt Kreiliger. Als konkretes Beispiel zeigt er eine Ölpresse, an der zwei Frauen aus Palmfrüchten Öl gewinnen. Die Ölpresse ist Teil eines grösseren Mühlebetriebs, welchen MBARA OZIOMA in Umunumo mitfinanziert. Für Jugendliche hat MBARA OZIOMA eine Berufsschule für Holz- und Metallbearbeitung aufgebaut – und eine Spitex, die eine minimale Gesundheitsversorgung fernab des Spitals garantiert. „Es geht darum, den Menschen vor Ort zu helfen, damit sie nicht ihre Heimat verlassen“, sagt Kreiliger.

Reise und Austausch. Im April wird Kreiliger mit einer Gruppe Interessierter nach Umunumo fliegen. Sein Wunsch ist es, dass auch einige Bäuerinnen aus Graubünden dabei sind, die sich mit den Frauen in Umunumo fachlich austauschen könnten. Die Entwicklungsarbeit in Umunumo wird auch von der Evangelisch-reformierten Landeskirche Graubünden unterstützt. Im Rahmen des „Pfingstprojekts“ wird sie das Projekt drei Jahre lang mittragen. Ein Informationsanlass findet am 22. November 2018 um 18 Uhr an der Loëstrasse 60 in Chur statt. Die Reise nach Umunumo vom April 2019 steht allen Interessierten offen.

Stefan Hügli

Flyer Pfingstprojekt
Flyer Reise
www.mbaraozioma.ch

Bild: Macht sich stark für die Frauen in Umunumo: Peter Kreiliger im Bildungszentrum Palottis in Schiers.