13. November 2019

Ausgeglichenes Budget

„Kirche neu denken“ – so das Motto, unter dem Kirchenratspräsident Andreas Thöny vor dem Evangelischen Grossen Rat in Chur einen Überblick über die anstehenden Gesetzgebungsprojekte präsentierte. Die Evangelisch-reformierte Landeskirche wolle auch in Zukunft präsent sein in Graubünden. Deshalb gelte es die Rahmenbedingungen für das kirchliche Leben zu definieren. „Meilensteine“ nannte er die anstehenden Gesetzgebungsprozesse. Deren sechs sind geplant, je einen pro Jahr. „Das fordert uns alle“, sagte Thöny, denn die Ressourcen seien beschränkt. Doch es gehe darum, lebendig zu bleiben als Teil der modernen Gesellschaft.

Erster Meilenstein im Gesetzgebungsmarathon ist das Regionengesetz, welches in den Gemeinden ein vielfältiges Angebot sicherstellen soll. Die Vernehmlassung in den Kolloquien und in der Synode ist bereits erfolgt und die Botschaft des Kirchenrates liegt vor. Die evangelischen Grossräte wählten dazu nun eine Vorberatungskommission, ebenso für den nächsten Meilenstein, das Personalgesetz. Die weiteren Gesetzgebungsprojekte betreffen die Zulassung zum Pfarramt („für die richtigen Leute vor Ort“), die Zuteilung der Pfarrstellen („Grünes Heft“), den Finanzausgleich („für innerkirchliche Solidarität“) und das Gesetz über Aufbau und Leben der Kirchgemeinden („für mehr Lebensnähe“).

Solide Finanzlage. Des Weiteren genehmigte der Rat das Budget. Die Gefängnisseelsorge wurde um 20 Stellenprozente aufgestockt – Grund ist die Neueröffnung der Strafvollzugsanstalt in Cazis Tignez. Auch für die Kommunikation soll vorerst mehr Geld zur Verfügung stehen. Die Kantonale Evangelische Kirchenkasse rechnet bei Ausgaben von 11‘651‘994 Franken mit einem Aufwandüberschuss von 53‘474 Franken. Dabei werden Rückstellungen aufgelöst: 350‘000 Franken aus der Vorfinanzierung für kirchliche Bauten und 100‘000 Franken aus der Vorfinanzierung für bezugsberechtigte Kirchgemeinden. Erstmals wirksam wird auch der Entscheid des Kantonsparlaments, den Steuerfuss für juristische Personen von 10,5 auf 10 Prozent zu senken.

Kirchenbund. Kirchenrätin Miriam Neubert informierte über Neues aus dem Kirchenbund (SEK), wo nach dem Rat nun auch die Abgeordnetenversammlung eine „Ehe für alle“ auf zivilrechtlicher Ebene befürwortete. Nächster Schritt in dieser Sache ist die Beratung im Bundesparlament in Bern. Danach könnte sich auf kantonalkirchlicher Ebene die Synode mit dem Thema befassen. Bereits heute gebe es in der Bündner Kirche eine Liturgie für die Segnung von gleichgeschlechtlichen Paaren.

Stefan Hügli

Bild: „Kirche neu denken“: Dekanin Cornelia Camichel Bromeis und Kirchenratspräsident Andreas Thöny.