20.4.2018

In Ilanz wurde der Ökumenische Lehrplan Religion vorgestellt. Damit sind die Bündner Landeskirchen bereit für den Lehrplan 21.

Ab kommendem Schuljahr werden die Schülerinnen und Schüler an den Bündner Schulen zum einen das Schulfach „Ethik, Religionen, Gemeinschaft (ERG)“ besuchen, zum andern das kirchlich verantwortete Schulfach „Religion“. Damit ist das sogenannte „Modell 1+1“, auf allen Klassenstufen eingeführt. Nun ist klar, welches die Schwerpunkte des Fachs „Religion“ sein werden. Vier Grundkompetenzen sollen gefördert werden: Der Unterricht soll Schülerinnen und Schüler darin unterstützen, ihre eigene Identität zu entwickeln, religiöse Ausdrucksfähigkeit zu gewinnen, Verständnis für biblische Texte zu bekommen und anhand ausgewählter Themen christliche Praxis zu entdecken. Zusätzlich enthält der Lehrplan Anregungen für Anlässe und Aktivitäten im Rahmen der ausserschulischen religiösen Bildung in den Kirchgemeinden und Pfarreien.

Die Persönlichkeit im Blick. „Wir stricken mit derselben Wolle“, sagt Christian Cebulj, Professor für Religionspädagogik an der Theologischen Hochschule Chur. Für die Religionsdidaktik sei die Kompetenzorientierung, wie sie der Lehrplan 21 fordert, zwar nichts grundlegend Neues. Allerdings müsse im Fach Religion in Zukunft schneller gestrickt werden und mit besseren Resultaten. Der Lehrplan macht deutlich, dass es im Fach Religion um die ganzheitliche Förderung der Schülerinnen und Schüler geht. Sie sollen Kultur deuten können, selber Auskunft über die eigene Herkunft und Geschichte geben und sich das Rüstzeug holen können, um sich selbst die Welt zu erschliessen. Der Lehrplan zeigt auch, dass gegenüber dem Fach „Ethik, Religionen, Gemeinschaft (ERG)“ eine Profilierung stattgefunden hat. Der Unterricht im Fach Religion fokussiert auf den eigenen Standpunkt und auf die gelebte Toleranz gegenüber anderen Bekenntnissen und Weltanschauungen. „Nur ERG wäre zu wenig“, sagt Cebulj.

Ausgewählte Themen. Angesichts der Reduktion von zwei auf eine Wochenstunde bedeute der Lehrplan auch eine Vereinfachung, wie Pfarrerin Ursula Schubert von der Fachstelle für Religionsunterricht der Evangelisch-reformierten Landeskirche ausführte. 8 statt wie bis anhin 15 Themenkreise sind vorgesehen: Zum Beispiel die biblischen Geschichten von Jesus, Abraham und Sara, Mose oder Josef; das Thema Versöhnung, Gerechtigkeit und Verantwortung für die Schöpfung; aber auch Fragen nach dem Umgang mit Erfolg und Misserfolg, Verantwortung und Solidarität. Der neue Lehrplan ist von beiden Landeskirchen und vom Ordinariat unterzeichnet. Er ist für die Unterrichtenden des Fachs Religion an den Bündner Schulen ab kommendem Schuljahr verbindlich.

Stefan Hügli

 

Bild: „Schülerinnen und Schüler dabei unterstützen, die Welt zu erschliessen“ – Dr. Christian Cebulj, Professor für Religionspädagogik.

Ökumenischer Lehrplan Religion