12. September 2019

Zum Dank-, Buss- und Bettag

Mit den Abstimmungen und politischen Diskussion der jüngsten Zeit seien vermehrt ethische Fragen ins Blickfeld gerückt. Das stellt Regierungspräsident Jon Domenic Parolini im Bettagsmandat an die Einwohnerinnen und Einwohner des Kantons Graubünden fest. Als Beispiel nennt er die Abstimmung über die Sonderjagd, die Diskussionen um Zuwanderung und Migration, um Rüstungsgeschäfte, Konzernverantwortung und um die globale Klimapolitik. Auch in nächster Zukunft werde sich das nicht ändern.

Solidarität. „Kann ein Staat ohne ethische Grundlage überhaupt existieren und seinen Einwohnern ein sicheres und in die Zukunft weisendes Dasein ermöglichen?“, fragt das Bettagsmandat. Nach wie vor seien im Kanton Graubünden viele der weit verbreiteten Überzeugungen und Verhaltensregeln durch die christliche Lehre geprägt: Beispielsweise, dass niemand Hunger leiden soll, dass alle eine medizinische Grundversorgung beanspruchen dürften oder Anrecht auf ein Obdach hätten – unabhängig von ihrer wirtschaftlichen und rechtlichen Situation. Das Zusammenleben sei ohne Solidarität nicht möglich.

Freiheit. Staatliche und religiöse Gemeinschaften sind aufeinander angewiesen. Falsch wäre es, wenn der Staat die Überzeugungen der Einwohnerinnen und Einwohner beeinflussen oder gar kontrollieren wollte. Aufgabe des Staates sei das Gegenteil: Er habe eine möglichst grosse Freiheit in Bezug auf Meinung und Lebensgestaltung zu garantieren. Jede Einwohnerin und jeder Einwohner solle frei entscheiden können – vorausgesetzt, dass die einmal gewählten Grundsätze der staatlichen Gemeinschaft eingehalten würden. Alle Menschen aller Glaubensrichtungen und Auffassungen sind vom Staat gleich zu behandeln.

Respekt. Der Eidgenössische Dank-, Buss- und Bettag rufe so „zum Gespräch, zum Ringen und zur friedlichen Auseinandersetzung“ auf, heisst es im Schreiben der Regierung weiter. „Wir alle dürfen Respekt für unsere Überzeugung verlangen dann, wenn wir auch bereit sind, dem anderen Respekt für seine Überzeugung entgegenzubringen.“ Der Bettag könnte somit ein Dreifaches bedeuten: das Danken für Wohlstand und friedliches Zusammenleben, die Bereitschaft, sich und anderen Fehler einzugestehen und das Beten als Weitung des Horizonts.

Stefan Hügli
Kommunikation

 

Das Bettagsmandat im Wortlaut