„Wir sind ein gutes Team“

Kurze Lederjacke, das Haar locker hochgesteckt, schreitet Erika Cahenzli gemächlich durchs Café. Sie kommt direkt aus einer Notfallbesprechung mit dem Vorstandskollegen. „Wir haben einen Wasserschaden auf dem Friedhof“, erzählt sie und bestellt sich einen Tee. Seit bald vierzehn Jahren ist die vierfache Mutter und Lehrerin Präsidentin der Kirchgemeinde Untervaz; ihr zweites öffentliches Amt, nach einiger Zeit als Schulrätin. „Schon meine Vorfahren haben sich für die Öffentlichkeit engagiert. Es freut mich, diese Reihe fortzuführen.“

Für ihren politischen Werdegang war dieses Amt hilfreich. „Es bringt ein gewisses Ansehen mit sich, Präsidentin einer demokratisch organisierten, reformierten Kirchgemeinde zu sein. Das passt gut zu den Leitsätzen meiner politischen Gesinnung als Grossrätin der Sozialdemokratischen Partei.“

Eine Kirchgemeinde zu präsidieren sei wie ein kleines Unternehmen zu führen. „Uns beschäftigen Personalfragen, Projektfinanzierung oder Rechtliches. Ich freue mich jedes Mal auf die Vorstandssitzung. Wir sind ein gutes Team“, sagt sie und zieht entschuldigend das klingelnde Handy aus der Tasche: „Der Friedhofsgärtner.“

Liebgewonnene Tradition verbunden mit Weltoffenheit und Einstehen für die Würde aller Menschen, das sind Werte, die Erika Cahenzli an ihrer Kirche schätzt. «In der Reformierten Kirche steht jedes Amt auch Frauen offen, Lohngleichheit ist selbstverständlich. Insofern ist unsere Kirche der Politik weit voraus.» Als Kirchgemeindepräsidentin setzt sich Erika Cahenzli für eine Kirche ein, die sich als Teil der Gesellschaft versteht und den Seelen aller Menschen Sorge trägt. «Gibt es etwas Nobleres als das?»

Rita Gianelli
Dezember 2017